Kann Joggen süchtig machen? Krankhaftes Laufen

Joggen wird oft als eine gesunde und stressabbauende Aktivität angesehen, die Körper und Geist in Einklang bringt. Doch wie bei vielen Dingen im Leben kann auch das Laufen in übermäßigen Mengen oder aus den falschen Gründen zu einem problematischen Verhalten führen. Es gibt Berichte über Menschen, die vom Joggen regelrecht besessen sind und es zu einem Zwang machen. Aber kann Joggen wirklich süchtig machen? Und was passiert, wenn das Laufen zu einer krankhaften Obsession wird?

Wie entsteht eine Jogging-Sucht?

Die Idee, dass Joggen süchtig machen kann, wird durch die Wirkung von Endorphinen, den sogenannten „Glückshormonen“, die beim Laufen ausgeschüttet werden, gestützt. Diese Endorphine führen zu einem euphorischen Gefühl, das Läufer oft als „Runner’s High“ bezeichnen. Dieses Gefühl der Zufriedenheit und des Wohlbefindens kann tatsächlich so intensiv sein, dass es sich fast wie eine Belohnung anfühlt. Für manche Menschen wird das Bedürfnis, diese Belohnung immer wieder zu erleben, zu einer Art Zwang.

Ein weiterer Faktor, der das Suchtpotenzial von Joggen begünstigen kann, ist der Wunsch nach perfektem Körperbild und Kontrolle über die eigene Fitness. Besonders in unserer Gesellschaft, in der Aussehen und Fitness oft mit Selbstwertgefühl und Erfolg gleichgesetzt werden, kann der Drang, sich ständig zu steigern, dazu führen, dass das Laufen zu einer übertriebenen Priorität wird.

Symptome einer Lauf-Sucht

Es gibt bestimmte Anzeichen, die darauf hindeuten können, dass jemand möglicherweise eine ungesunde Beziehung zum Laufen entwickelt:

  1. Übermäßiges Training: Eine Person, die süchtig nach Joggen ist, könnte so viel laufen, dass sie ihren Körper überanstrengt. Dies kann zu Verletzungen, Erschöpfung und anderen gesundheitlichen Problemen führen. Häufig wird das Training trotz Schmerzen oder Ermüdung fortgesetzt.

  2. Gefühl der Schuld, wenn das Laufen ausfällt: Wer vom Laufen abhängig wird, fühlt sich schlecht oder schuldig, wenn er das Training aus irgendwelchen Gründen nicht durchführen kann, selbst bei Krankheit oder anderen legitimen Ausnahmen.

  3. Isolation: Das Bedürfnis, ständig zu laufen, kann dazu führen, dass soziale Aktivitäten oder familiäre Verpflichtungen zugunsten des Trainings zurückgestellt werden. Dies kann zu einer sozialen Isolation führen, da die Person ihre Beziehungen und ihr soziales Leben vernachlässigt.

  4. Ständige Leistungssteigerung: Eine Person mit einer Lauf-Sucht wird oft das Gefühl haben, dass sie sich ständig verbessern muss. Dies kann sich in einer immer intensiveren Trainingsroutine widerspiegeln, ohne Rücksicht auf den Zustand des Körpers oder den Bedarf an Erholung.

Psychische Auswirkungen einer Lauf-Sucht

Die psychischen Auswirkungen einer Jogging-Sucht können weitreichend sein. Zu den häufigsten gehören:

  • Angst und Depression: Die Obsession mit dem Training kann zu emotionaler Erschöpfung führen und möglicherweise Depressionen und Angstzustände verstärken, insbesondere wenn das Training aufgrund von Verletzungen oder anderen Faktoren eingeschränkt wird.
  • Perfektionismus: Viele, die vom Laufen besessen sind, entwickeln einen übertriebenen Perfektionismus, der auch andere Lebensbereiche beeinflussen kann. Sie sind ständig auf der Suche nach der nächsten Bestleistung und fühlen sich unzulänglich, wenn sie diese nicht erreichen.
  • Konditionierung durch Belohnung: Die ständige Ausschüttung von Endorphinen schafft eine Art Belohnungssystem, das das Gehirn dazu erzieht, das Laufen mit positiven Gefühlen zu verknüpfen. Dies verstärkt den Drang, immer weiter zu laufen, selbst wenn der Körper eigentlich eine Pause braucht.

Wie erkennt man, dass das Laufen problematisch wird?

Es ist wichtig, auf die Signale des eigenen Körpers zu hören. Wenn das Laufen zu einem Zwang wird, der nicht nur körperliche Erschöpfung, sondern auch emotionale oder soziale Probleme mit sich bringt, ist es Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Balance zwischen einem gesunden Training und einem zwanghaften Verhalten zu finden, ist der Schlüssel.

Einige Fragen, die helfen können, die eigene Beziehung zum Laufen zu hinterfragen:

  • Fühle ich mich schuldig oder ängstlich, wenn ich mein Training aus irgendeinem Grund nicht durchführen kann?
  • Setze ich mein Training fort, obwohl ich körperliche Schmerzen habe?
  • Beeinträchtigt das Laufen andere Aspekte meines Lebens, wie Beziehungen oder berufliche Verpflichtungen?

Wie kann man der Sucht entgegenwirken?

  • Langsame Reduzierung der Trainingszeiten: Wenn man merkt, dass das Laufen zu viel Raum im Leben einnimmt, kann es hilfreich sein, die Laufintensität schrittweise zu verringern.
  • Diversifikation der Aktivitäten: Wer das Gefühl hat, in einer Trainingssucht gefangen zu sein, kann versuchen, verschiedene Sportarten oder Aktivitäten in den Alltag zu integrieren, um die Belastung des Körpers zu verringern.
  • Regelmäßige Pausen und Erholung: Ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Trainings ist die Regeneration. Wer auf seinen Körper hört und ihm genügend Ruhe gönnt, kann viele gesundheitliche Probleme vermeiden.
  • Psychologische Unterstützung: In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, sich Unterstützung von einem Therapeuten oder Coach zu holen, um die Gründe für das zwanghafte Verhalten zu verstehen und zu bearbeiten.

Fazit:

Joggen ist eine wunderbare Möglichkeit, fit und gesund zu bleiben. Doch wie bei jeder Aktivität besteht auch hier die Gefahr einer ungesunden Besessenheit. Es ist wichtig, das Laufen in einen ausgewogenen Lebensstil zu integrieren und auf die eigenen Bedürfnisse und Signale des Körpers zu hören. Wer merkt, dass Joggen mehr zu einem Zwang als zu einer Freude wird, sollte die Situation rechtzeitig hinterfragen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen, um das Gleichgewicht wiederzufinden.